Es gibt Wartezimmer. Und es gibt Warteschleifen. Im einen wartet man auf einen Menschen, in der anderen auf die Gnade eines Systems.
Eine Patientin. Nennen wir sie nicht, denn ihr Name ist austauschbar, ihr Zustand nicht. Sie braucht eine Therapie, und zwar dringend. Doch zwischen ihr und der Hilfe steht ein Berg aus Papier, gekrönt vom heiligen Gral der Bürokratie: der «psychiatrischen Fallbeurteilung» durch die Krankenkasse. Fünf Monate hat es gedauert, bis dieser Berg bezwungen und der Stempel an der richtigen Stelle war. Fünf Monate voller Telefonate, in denen sie von einer Abteilung zur nächsten verbunden und mit beruhigenden Worten vertröstet wurde, die rein gar nichts beruhigten.
Eigentlich genial. Man muss diese verkannte Therapiemethode anerkennen: die Heilung durch Zermürbung. Fünf Monate Hinhaltetaktik als erste Lektion in Frustrationstoleranz. Wer diesen administrativen Hindernislauf übersteht, ohne aufzugeben, beweist doch eine psychische Stärke, die eine Therapie fast schon überflüssig macht. Case closed, sozusagen. Die Akte hat lange genug gelegen, um von selbst gesund zu werden.
Am Ende bleibt nur die Frage: Wer braucht hier eigentlich dringender eine Therapie?
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